Marx 4.0

Die digitale Revolution könnte die Menschen aus prekären Arbeitsverhältnissen befreien. Doch wie schon in der Frühzeit der Industrialisierung kommen die technischen Errungenschaften nur einer dünnen Elite zugute, was die erhoffte Befreiung nicht nur verhindert, sondern sogar ins Gegenteil verkehrt. Eine Problematik, mit der sich schon Marx befasst hat - und die ihn allerorten wieder ins Gespräch bringt.

 

Nun ist es also amtlich: Roboter und autonome Systeme bringen die Arbeitnehmer nicht um Lohn und Brot. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und der Bundesrat haben in ihrer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme zum Thema "Digitalisierung" keinen Zweifel daran gelassen, dass uns eine rosige Zukunft bevorsteht. Aber wie ist diese magistrale Zuversicht zu verstehen, wenn sogar das IWF angesichts der digitalen Zukunft Alarm schlägt und das bedingungslose Grundeinkommen als Rettungsring empfiehlt? Vielleicht erleben wir hier in der Schweiz wieder einmal die gar nicht so unkluge Ignoranz der drei japanischen Affen: nichts Böses sehen, nichts Böses hören, nichts Böses sagen. Immerhin gibt es von hochoffizieller Seite eine konstruktive Empfehlung. Alles, was es für den bevorstehenden Wandel brauche, sei ein möglichst grosser Freiraum, damit neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Von Detailregelungen, wie etwa der vielfach geforderten Besteuerung von Selbstzahlerkassen, rate man ab. Man gehe auch weiterhin davon aus, dass die Schweiz ihre sagenhafte Vollbeschäftigung aufrechterhalten könne. Oder in anderen Worten: "Der Markt wird es schon richten."

 

In Anbetracht des technischen Fortschritts sei Vollbeschäftigung eine Illusion, sagt der Internet-Investor Alfred Wenger: einer, der es wissen muss. Alfred Wenger gehört zu den einflussreichsten Befürwortern des bedingunglosen Grundeinkommens. Und er ist beileibe kein Pessimist. Den Einstieg in eine neue und womöglich endgültige Automation sieht er als historische Chance. Sein Hauptargument für die Notwendigkeit des Grundeinkommens dreht sich um den Begriff der Null-Grenzkosten. Vereinfacht gesagt handelt sich darum, dass der intelligente Computer den Wert oder Preis der Arbeit auf Null reduziert. Dabei stützt sich Wenger nicht nur auf abstrakte Überlegungen. Die Entwertung menschlicher Arbeit durch Internet und Computer ist eine empirische Tatsache. Man kann also nicht so tun, als wäre das alles noch eine offene Frage. Wengers Optimismus ist pragmatisch. Anstatt darauf hinzuwirken, dass sich die Menschen verbiegen und quälen, um sich den neuen technischen Bedingungen anzupassen, möchte er die Technik so nutzen, dass sie den Menschen entgegenkommt.

 

Was die technologischen Erleichterungen des Internet-Zeitalters betrifft, stimme ich Wenger vollauf zu. Ich habe - wie wohl die meisten vernünftigen Menschen - nichts dagegen, weniger arbeiten zu müssen. Und die Realisierbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens halte ich für den einfachsten Punkt an der ganzen Geschichte. Geld ist in Hülle und Fülle vorhanden, weil es durch die Automation weitaus effizienter erwirtschaftet wird als durch Hand- und Kopfarbeit. Was mir Sorgen bereitet, ist etwas anderes. Es ist die Tatsache, dass die Wirtschaftsliberalen den digitalen Wandel vorantreiben nach dem Motto: "Wasch mich, aber mach mich nicht nass." Man will die Digitalisierung ohne die entsprechenden Konsequenzen. Man macht die menschliche Arbeit überflüssig, will aber um jeden Preis eine utopische Vollbeschäftigung aufrechterhalten, was dann eben dazu führt, dass die Arbeitsverhältnisse immer prekärer werden. Wer sich dagegen wehrt, bekommt reflexartig zu hören, er sei fortschrittsfeindlich. In Wahrheit ist es aber genau umgekehrt. Fortschrittsfeindlich sind diejenigen, die den Fortschritt vorantreiben, ohne seine Konsequenzen zu bedenken. Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt nicht nur umwälzt, sondern die Arbeit fundamental entwertet. Der Markt wird es eben nicht richten.

 

Die Entwertung der Arbeit rührt an den Fortschrittsglauben, den die Digitalisierung eigentlich bestätigen und stärken müsste. Ist es hinnehmbar, dass wir in der Lage sind, auf den zu Mond fliegen, Sonnenkollektoren und selbstfahrende Autos zu bauen, und trotzdem längere Arbeitszeiten ableisten als die Jäger und Sammler des Paläolithikums? Ist es hinnehmbar, dass wir immer noch schuften wie die Blöden, obwohl die Moderne vor 200 Jahren mit dem Versprechen begann, die Menschen mittels Wissenschaft und Technik von mühseliger Arbeit zu entlasten? Ist es hinnehmbar, dass wir in alltäglichen Gadgets die Technologie von Raumschiff Enterprise benutzen, aber als Arbeitnehmer weniger Freiheiten und Rechte besitzen als die Sklaven im alten Rom? Man kann sich schon fragen, weshalb wir so sehr auf die Technik fixiert sind, wenn wir über den digitalen Wandel sprechen. Was nützt der ganze technische Fortschritt, wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht? Wenn immer mehr Menschen abgehängt werden? Wenn der Leistungsdruck trotz "digitaler Lebenserleichterung" ins Unermessliche steigt? Die Technik an sich befreit die Menschen nicht. Sie ist aber auch nicht böse. Die Technik ist nur ein Instrument, etwas wie Messer und Gabel. Wenn man die Leistungsfähigkeit digitaler Technik unvoreingenommen betrachtet, muss man zugeben, dass die vierte industrielle Revolution das Beste ist, was uns passieren kann. Im Schweisse unseres Angesichts: das sollte nur noch für die Sauna gelten. Eigentlich sollten wir uns darüber freuen und uns nicht wie unsere Vorfahren verhalten, die nach jedem Blitzschlag davonrannten und Zetermordio schrien, bevor irgendeiner von ihnen - der Einstein unter den Höhlenmenschen - auf die Idee kam, dass man das Feuer des brennenden Baumes in die Höhle tragen und sich daran wärmen könnte. Feuer kann zerstören, es kann aber auch Leben retten.

 

Als die Urmenschen das Feuer nutzbar machten, gab es sicher auch schon Skeptiker, die diese Innovation in Frage stellten. Man kann sich am Feuer die Hände verbrennen. Es ist gefährlich für Kinder. Und wohin mit dem Qualm? Doch die Vorteile überwogen. Das Fleisch musste nicht mehr stundenlang gekaut oder weichgeklopft werden. So konnte man seine Zeit und Energie auf Sinnvolleres richten, zum Beispiel auf die Höhlenmalerei. Oder auf die Balzrituale. Oder auf philosophische Gespräche. Kann sein, dass der Mensch erst durch gewisse Arbeitserleichterungen überhaupt eine Kultur erworben und sich aus dem Affendasein befreit hat. Der Computer ist das gebändigte Feuer schlechthin. Eine Arbeit für alle wird es nie wieder geben, und das ist gut so. Eine Arbeit für alle wird es nie wieder geben: also brauchen wir ein anderes ökonomisches System. Eines, bei dem nicht die Arbeit, sondern das Nichtstun belohnt wird. Ein solches Prämierungssystem wäre nichts weniger als die Umwertung aller Werte. Die Wertschätzung des Arbeitens, die die potentielle Asozialität des Einzelnen in Schach halten soll, muss hinterfragt und vielleicht sogar über Bord geworfen werden. Natürlich kann Arbeiten Freude machen. Auch der ausgiebige Stuhlgang kann Freude machen. Oder Treppensteigen in einem Hochhaus. Die Tatsache, dass Arbeiten mitunter als sinnhaft erlebt wird, als essentiell für das Selbstwertgefühl, das soziale Prestige oder die Entfaltung von Talenten und Fähigkeiten, sollte den Blick auf die Realität jedoch nicht verstellen. Erstens sind die positiven psychischen und sozialen Effekte, die man der Arbeit zuschreibt, immer sekundär und keineswegs selbstverständlich oder allgemeingültig. Spass an der Arbeit zu haben, ist ein Luxus, und diesen Spass zu vermissen, ist ein Luxusproblem. Die meisten Menschen ächzen unter der Arbeit. Wer Arbeit als Beschäftigungstherapie anpreist, argumentiert wie ein Befürworter von Arbeits- und Straflagern. Man kann den Pöbel nicht loswerden. Also muss man den Pöbel irgendwie beschäftigen. Das ist blanker Zynismus. Die meisten Menschen arbeiten des Geldes wegen - und nicht weil sie eine Beschäftigungstherapie brauchen. Und damit wären wir auch schon bei Punkt zwei. Die Sache mit dem redlich verdienten Geld verkommt zur gut gemeinten Phrase. Produktivität ist keine Frage mehr der quantitativen oder qualitativen menschlichen Teilhabe, respektive des menschlichen Leistungsvermögens. Für das Wirtschaftlichkeitsstreben wird der Mensch überflüssig. Oder um genau zu sein: dieser Zustand ist schon längst da. Die meisten, die sich heutzutage noch durch Weiterschulungen und Jobassessments quälen, haben es nur noch nicht gemerkt. Sie bleiben eingespannt und lassen sich ausnützen, obwohl die wirtschaftliche Produktivität zu einem Grossteil nicht von ihnen, sondern von Maschinen erbracht wird.

 

Genauso ist es in der Vergangenheit dem Pferd, dem Maulesel und dem Ochsen ergangen. Jetzt ist halt der Mensch dran. Eigentlich gar nicht so tragisch. Zumal es logisch und vernünftig ist. Eine Digitalisierung mit krampfhaft beibehaltener Vollbeschäftigung wäre ungefähr das Gleiche, wie wenn man vor hunderfünfzig Jahren Pferde, Maulesel und Ochsen vor die Lokomotiven gespannt hätte. Ein Blödsinn sondergleichen. Wer am Modell der bezahlten Arbeit festhält, hat den Nutzen des Feuers nicht begriffen, respektive den Nutzen des Computers. Andererseits widerspricht die Befreiung, die der Computer in Aussicht stellt, der kapitalistischen Logik. Freie Menschen (und das heisst von Arbeitsabhängigkeit befreite Menschen) können weder beherrscht noch ausgebeutet werden, was letztlich die Gefahr eines Kontrollverlustes heraufbeschwört. Darin liegt der eigentliche Grund, weshalb nicht nur die Marktlogik darüber entscheidet, ob die Menschen in Zukunft noch arbeiten werden oder nicht. Auch wenn die Menschen vielleicht eines Tages vollumfänglich durch Maschinen ersetzt werden könnten, wird es immer noch Herrschaftsstrukturen geben müssen, damit die Gesellschaft nicht kollabiert. Jeder Gefängnisdirektor weiss, dass man die Gefangenen irgendwie beschäftigen muss. Man muss ihnen eine Tagesstruktur und eine Aufgabe geben, sonst kommen sie auf dumme Gedanken. Sonst meutern sie und stürzen die Hierarchie. Freiheit ist immer ein Risiko: weniger für den Einzelnen als für das System als Ganzes. Ich möchte das keineswegs allzu marxistisch verstanden wissen. Es ist etwas sehr Allgemeines. Jede menschliche Gesellschaft beruht auf Hierarchien, die sich irgendwie abzusichern versuchen. Wer sich selbst überlassen ist, überlässt allzu vieles dem eigenen Gutdünken und ist weniger beeinflussbar. Um nicht zu sagen: erpressbar. In einer gut geölten Konsum- und Leistungsgesellschaft, in der schon ein kleiner Stromausfall genügt, um das gesellschaftliche Leben lahmzulegen, kommt alles darauf an, dass der Einzelne eingespannt bleibt. Die Überkomplexität unserer Gesellschaft erhöht den Konformitätsdruck, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch psychisch und sozial. Kein Wunder setzen einflussreiche Leute alles daran, die Befreiung zu verhindern. Sie tun das durchaus mit eigennützigen Interessen. Das System verhilft ihnen zu Macht und Reichtum. Umso grösser die Bemühung, das System der sozialen Ungleichheit und der grossangelegten ökonomischen Umverteilung stabil zu halten. Während Konzerngewinne sprudeln, die Beschäftigung Rekordzahlen erreicht und die Reichen immer reicher werden, entsteht ein riesiges Feld aus Billiglohnjobs, Praktikantenausnützerei, Leiharbeit und befristeten Anstellungen, wo niemand mehr danach fragt, ob und inwiefern der Beruf mit einer Lebensberufung identisch sein kann. Es geht ums nackte Überleben. Die meisten Menschen strampeln sich ab, um irgendwie durchzukommen. Währenddessen verordnet die wirtschaftspolitische Elite eine öffentliche Meinung, die seit siebzig Jahren am gleichen Fleck steht und den heutigen ökonomischen Rahmenbedingungen kaum noch gerecht wird. Wir tun so, als lebten wir immer noch in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts, als der "Wohlstand für alle" mehr als ein wohlfeiles Versprechen war. Nein, früher war nicht alles besser. Täglich konnte ein Atomkrieg ausbrechen, Krebs war fast immer ein Todesurteil, und im allgemeinen musste man mit weniger auskommen als heute. Doch andererseits konnte man auch mit weniger auskommen. Man musste nicht halb so viele Fixkosten stemmen wie heute. Das Verhältnis zwischen Arbeit und Konsum oder Arbeit und Wohlstand war noch in einer halbwegs vernünftigen Balance. Oder anders gesagt: Arbeit lohnte sich. Es gab Jobs im Überfluss, die Lebenshaltungskosten waren tief, der Fleissige konnte nahezu überall aufsteigen, der Schlaue war derjenige, der etwas auf die hohe Kante legte, und wer einen Ausbildungsweg beschritt, konnte sicher sein, dass er einen gepfadeten Weg vor sich hatte, eine sichere Stelle - oder zumindest eine verlässliche berufliche Kompetenzbasis - bis zur Pensionierung. Heute ist das alles Schnee von gestern. Die Politiker und Wirtschaftsführern sind kaum noch in der Lage, die Diskrepanz zwischen Schein und Sein zu überbrücken, wenn sie nicht sogar bewusst und willentlich mit der Strömung schwimmen und Freiräume fordern, wo eigentlich Gemeinsinn gefragt wäre. Wenn allerorten die "Flexibilität des Arbeitnehmers" herausgestrichen und zum höchsten Prinzip erkoren wird, geschieht das nur deswegen, weil es für die zunehmende Drangsalierung der Arbeitnehmer keine politische Lösung geben darf. Der Neoliberalismus will und braucht Menschen, die sich mit allem, was sie sind und haben, dem wirtschaftskybernetischen System der ungehinderten Profitsteigerung unterwerfen. Gleichzeitig wird so getan, als lebten wir noch immer in den guten alten Zeiten des wirtschaftspolitischen Gemeinsinns, in den Zeiten von Ludwig Erhard. Weiterhin wird die bezahlte Arbeit zum Mass aller Dinge erklärt. Weiterhin gilt der Beruf als Berufung und die Bildung als berufliche Zukunftsinvestition. Deshalb setzen die Menschen einesteils auf Selbstzucht ("ich arbeite gern, es erfüllt mich, ich gebe alles"), bis sie unter dem gnadenlosen Konkurrenzdruck und dem hirnzerstörenden Selbstbestätigungsdrang zusammenbrechen, oder, zweite Möglichkeit, sie fügen sich in eine stupide Kleinjob- und Patchworkjobmentalität, die eine Art Vollbeschäftigung vortäuscht, aber eigentlich nur dazu führt, dass überall Leute herumrennen, die Gratisprospekte austragen, damit sie überhaupt noch eine ökonomische Existenzberechtigung haben. So bekommen sie wenigstens noch ihr Gnadenbrot und ein Quentchen gesellschaftlicher Achtung. Von Lohn ist da schon längst keine Rede mehr. Und auch nicht von Sinn. Das grosse Hamsterrad ist installiert, also muss es am Laufen gehalten werden. Je mehr Arbeit der Computer übernimmt, desto unmenschlicher wird die Arbeitswelt, so wie auch die frühe Industrialisierung mit ihren ersten mechanisierten Arbeitsabläufen nicht zur erhofften Befreiuung der Arbeiter und schon gar nicht zur erhofften Erleichterung der Arbeit geführt hat, sondern zur totalen Versklavung und Verelendung der arbeitenden Massen.


Etwas Ähnliches ist wohl auch hier zu erwarten; allerdings kann der Computer nichts dafür. Die Digitalisierung an sich ist nicht das Problem. Sie wäre ein Segen, und die Bosse von Silicon Valley haben allen Grund, optimistisch zu sein. Das digitale Paradies rückt unaufhaltsam näher. Nur wird es leider nicht ein Paradies für alle sein - und wahrscheinlich nicht einmal für die Mehrheit, selbst wenn man die Dritte Welt mal ausklammert. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Problem im Kapitalismus liegt. Automatisierungsschübe haben - entgegen der technischen Logik - immer nur punktuell zu besseren Arbeits- und Lebensbedingungen geführt. Oder sagen wir: meistens nur vorübergehend. Der Grund dafür liegt in der kapitalistischen Eigendynamik, die den Nutzen technischer Innovationen auffrisst oder pervertiert, bevor er sich voll auswirken kann. Um das veranschaulichen zu können, brauchen wir nicht unbedingt in die Frühzeit der Industrialisierung zurückzugehen. In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts stieg die Produktivität, befeuert von neuen Technologien, so stark an, dass sich ein berechtigter Zukunftsoptimismus breit machte. Expertisen sagten voraus, dass bis ungefähr ins Jahr 2000 10 Stunden Arbeitszeit pro Woche für die Versorgung einer Durchschnittsfamilie ausreichen würden. Diese Voraussage hat sich als zutreffend erwiesen, zumindest in Bezug auf die Effizienzsteigerung. Was damals eine ganze Arbeitswoche in Anspruch nahm, kann heute in nur 10 Stunden erledigt werden. Wir verfügen über Technologien, die unsere Leistungen um das x-fache multipliziert haben. Theoretisch sind wir heute sehr viel reicher als in den Fünfzigerjahren.  Für den gleichen Lebensstandard müssten wir sehr viel weniger arbeiten. Theoretisch. In der Realität sieht es freilich anders aus. Dummerweise leben wir in einem kapitalistischen System, das vor allem dadurch Wohlstand erzeugt, dass es den Wohlstandsüberschuss von den Produktivkräften wegleitet. Damit wären wir bei Karl Marx angelangt. Marx hat zwei Eigenschaften, die manchmal nerven: er hat immer Recht. Und er ist nicht totzukriegen. Auch wenn der Staatssozialismus gescheitert ist, bleibt die kommunistische Grundidee weitgehend unbeschädigt und gültig. Wer das in Abrede stellt, sollte sich vielleicht einfach vor Augen halten, dass er seine Ferientage streichen müsste, hätte es keinen Marx und keinen Marxismus gegeben. Gewerkschaften, das Streikrecht, bezahlte Urlaubs- und Krankentage, Mutterschutz und Rente: ohne Marx und Marximus gäbe es das alles nicht. Viele Selbstverständlichkeiten, die für unsere Lebensqualität entscheidend sind, hat man dem Kapitalismus buchstäblich abgetrotzt. Ohne Marx und Marxismus würden wir (oder die meisten von uns) ein elendes Sklavenleben führen. Und die Tendenz dorthin ist keineswegs verschwunden. Sie ist im Kapitalismus angelegt. Auch im heutigen Kapitalismus, der in seiner neoliberalen Hemmungslosigkeit viele soziale Errungenschaften wieder rückgäng macht und genau das vollstreckt, was der Marxismus in seinen grundlegenden Aussagen sowohl prognostiziert als auch kritisiert hat. Der Publizist Bernd Stegemann - ein scharfsinniger Kritiker des Neoliberalismus - liefert ein Bild der heutigen Gesellschaft, das Marx erblassen lassen würde:

 

"Der erarbeitete gesellschaftliche Reichtum ist durch die Waffen der Finanzindustrie inzwischen fast vollständig enteignet und zum Eigentum der plutokratischen Klasse gemacht worden. Menschen wie Staaten stecken gleichermassen in der Zinsknechtschaft. Der neue globale Mensch ist nicht mehr der Proletarier, sondern der Schuldner. Der Hebel der Finanzmärkte reicht bis in jede einzelne Regierung und jeden einzelnen Haushalt in der Welt. Mit diesem Hebel werden Sozialleistungen, die über viele Jahrzehnte mühsam erkämpft worden sind, über Nacht abgeschafft, öffentliche Räume in Privatbesitz umgewandelt und das soziale Vermögen der Vielen enteignet..."

 

Marx hat auf ganzer Linie Recht behalten. Dabei müsste man eigentlich das Gegenteil annehmen. Es gibt keine Proletarier mehr wie im 19. und 20. Jahrhundert, die technische Entwicklung hat den klassischen Arbeiter eliminiert und durch den Angestellten und Dienstleister ersetzt. Der von John Lennon besungene "Working class hero" ist verschwunden. Und die geschichtliche Dialektik, an die Marx mit Inbrunst geglaubt hat, ist scheinbar ins Leere gelaufen. Die Proletarier - und erst recht ihre Nachfolger - haben den Kapitalismus nicht gestürzt. Im Gegenteil. Sie haben sich im Kapitalismus eingerichtet wie Spielsüchtige in einem Casino. Die kommunistische Vision einer geschichtsnotwendigen Befreiung aus kapitalistischer Ausbeutung ist durch das Allheilmittel des Konsumismus ersetzt worden. Der Neoliberalismus - die totalitäre Erfüllung des Kapitalismus - hebt jeden inneren und äusseren Widerspruch auf. Die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist einer totalen Verfügbarkeit jeder nur denkbaren menschlichen Ressource gewichen, einer postmodernen Form von Leibeigenschaft und Feudalismus. Es gibt keine Fliessbandarbeiter mehr, die irgendeinen Gegendruck ausüben, irgendeinen Protest formulieren könnten. Die Fliessbänder kommen ohne Arbeiter aus, und somit gibt es auch kein Klassenbewusstsein mehr, das als Machtfaktor gelten kann. In der heutigen Informations- und Dienstleistungsgesellschaft hat die Masse der Arbeitenden kaum noch ein politisches Gewicht. Streiks und Gewerkschaften sind so sinnlos geworden wie einst Ritterturniere und Ritterburgen. Die Arbeitnehmer bilden ein diffus zersplittertes Prekariat aus Schuldnern und Billiglöhnern, die in ihrer Selbstentfremdung die eigene Ausbeutung befürworten und dem neoliberalen Heilsversprechen einer menschheitsbeglückenden Marktlogik auf den Leim gehen. Dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - bleibt Marx im Rennen: seine Dialektik könnte sich, wenn auch anders als von ihm erwartet und erhofft, doch noch bewahrheiten. Die materialistische Dialektik, die man etwas voreilig im Geschichtsarchiv verstaut hat, ist eine Art "Ätsch-bätsch"-Dialektik. In den gegenwärtigen Krisen wird sie auf einmal wieder aktuell. Sie gewinnt an Diskussionswürdigkeit. Das neoliberale Versprechen ist - wie man seit der Finanzkrise von 2008 und angesichts eines wachsenden Heers von Globalisierungsverlierern unschwer erkennen kann - ein kollektiver Selbstbetrug. Das kapitalistische System der Unterdrückung, das Marx analysiert und angeprangert hat, läuft noch immer auf Hochtouren - und vielleicht hochtouriger denn je. Der produktive Überschuss oder Zugewinn kommt nicht denen zugute, die ihn erwirtschaften: eine Kernthese von Marx, die die heutige gesellschaftliche Realität erstaunlich gut abbildet. Der erwirtschaftete Reichtum fliesst nach oben ab. Er wird abgeschöpft. Dabei hat Karl Marx den Kapitalismus mit guten Gründen in Schutz genommen. Damit Reichtum überhaupt abgeschöpft werden kann, muss er zuerst einmal erwirtschaftet werden. Damit Reichtum gerechter verteilt werden kann, muss er zuerst einmal da sein. Kommunismus funktioniert laut Marx nur in hochentwickelten, das heisst kapitalistisch ausgereiften Gesellschaften. Und er funktioniert nur, wenn die Automatisierung weit genug vorangeschritten ist, um menschliche Arbeit wenigstens teilweise überflüssig machen zu können. Der echte Kommunismus beruht nicht darauf, dass man sein Zahnbürsteli mit allen teilen muss. Oder dass man Geldnoten druckt, auf denen "Schäm dich" steht. Im echten, das heisst marxschen Kommunismus geht es lediglich darum, den Kapitalismus so zu nutzen, dass er möglichst vielen Menschen zugute kommt. Und da müsste die Technik heute eigentlich weit genug sein, dass sie den Menschen - und wirklich allen Menschen - ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht. Verfehlt die Technik dieses eine grosse Ziel, würde das den ganzen Fortschritt rückwirkend entwerten. Dann könnten wir genausogut in die Pfahlbausiedlungen und Steinzeithöhlen zurückkehren und mit dem Smartphone Nüsse aufklopfen. Die grosse Herausforderung der Zukunft besteht also darin, den Kapitalismus so zu gestalten, dass die Technik nicht zum Herrschaftsinstrument wird, sondern zum Befreiungsinstrument. Und da hat Karl Marx ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

 

Der real existierende Kapitalismus ist eine zweischneidige Sache. Einerseits vermehrt er den allgemeinen Wohlstand, andererseits lässt er Reich und Arm immer weiter auseinandertriften. Die schon bei Marx angelegte Theorie der zunehmenden Kapitalkonzentration hat Thomas Piketty in seinem populären Wälzer "Das Kapital im 21. Jahrhundert" gut verständlich herausgearbeitet und aktualisiert. Unter Ökonomen ist sie nicht unumstritten. Doch die meisten von ihnen sind sich einig darin, dass Piketty richtig liegt, was die allgemeine Tendenz betrifft. Das Kapital geht von den meisten Menschen weg. Allem Anschein nach ist das der kleine Haarnadelriss im Gebäude, der dazu führen könnte, dass der Kapitalismus irgendwann in sich zusammenkracht. Der allgemeine Wohlstand hat seit den Fünfzigerjahren zugenommen, wenn auch bei weitem nicht in dem Masse, wie es zu erwarten gewesen wäre. Zudem scheint eine Wachstumsgrenze erreicht zu sein. Die Wohlstandsentwicklung stagniert und läuft zum Teil auch schon rückwärts. Verschärft hat sich dieses Problem durch den neoliberalen Paradigmenwechsel, der den Kapitalismus seit den Achtzigerjahren kontinuierlich umbaut. Die ordoliberale Wirtschaftsordnung der Mässigkeit und des Ausgleichs wie auch die Devise des "Wohlstands für alle" sind nur noch ferne Erinnerungen. Wir leben in einer permanenten Wirtschaftsüberhitzung, die die Umverteilung von unten nach oben zur Regel gemacht hat. Es ist ein System, das sich selber hochschaukelt, ein Perpetuum Mobile der Ausbeutung und eine Travestie dessen, was Marx gewollt hat. Hemmungslose Kapitalakkumulation auf der einen Seite, und auf der anderen Seite immer mehr Gebühren und Abgaben bei immer weniger Leistungen, die unten ankommen. Während die Wirtschaft Rekordprofite einstreicht und die Einkommensungleichheit absurde Dimensionen annimmt, verfallen Schulen, verlottern Pflegeheime, und die Spitäler arbeiten am äussersten Limit. (Die Schweiz steht hier erst an der Schwelle, Deutschland und andere EU-Staaten haben sie schon längst überschritten). Überall fehlt es an Geld. Und gleichzeitig häufen sich gewaltige Summen an. Und das betrifft nicht nur die Pharma-Industrie. Staatskassen machen Milliarden-Überschüsse, die Steuereinnahmen sprudeln. Doch wohin eigentlich? Ich bin kein Ökonome. Aber ich weiss, dass Ökonomen dieses Thema schon längst zum Permudadreieck erklärt haben. Keiner weiss so genau, was hier geschieht. Die öffentliche Hand begünstigt zwar einzelne "Opfergruppen" und kooperiert in diesen Bereichen sehr freigebig mit privatwirtschaftlichen Profiteuren, doch zugleich verliert sie ihren Zugriff auf die Gemeinschaft als Ganzes. Der Gemeinsinn - die klassische Polis der alltäglichen Subsistenz - weicht zusehends einem Mechanismus, der konkurrierende Interessen gegeneinander ausspielt, um die Grossen gewinnen zu lassen und die Kleinen an den Rand zu drängen. Auch in staatlichen und gemeinnützigen Domänen greifen Marktmechanismen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben, und demokratische Entscheidungen werden kaum noch umgesetzt, wenn sie die Pläne der Wirtschaftsmächtigen durchkreuzen. Es wird das vollstreckt, was dem neoliberalen Gesellschaftsumbau entgegenkommt. Alles andere verschwindet im Nirwana endlos diskutierter Kompromisse.

 

Darin offenbart sich ein grundlegender Wandel in der politischen Praxis. Angesichts der Globalisierung kommen Demokratien buchstäblich an ihre Grenzen. Nicht nur Wirtschaftsführer, auch Politiker plädieren deshalb immer öfter für eine Herrschaft der Sachverständigen, einen handlungsbevollmächtigten runden Tisch der Technokraten und Spezialisten. Man wünscht sich eine Politik, in die sich niemand einmischt: eine entpolitisierte Politik. Sogar in der urdemokratischen Schweiz diskutiert man mittlerweilen über ein automatisiertes Losverfahren, das die umständliche und unberechenbare direktdemokratische Entscheidungsfindung ersetzen könnte. Die Eliten trauen nur noch sich selbst, wenn sie nicht sogar dafür plädieren, die Macht an Algorithmen abzutreten, die im Gegensatz zu menschlichen Entscheidungsträgern in der Lage sind, den neoliberalen Gesellschaftsumbau störungsfrei voranzutreiben. Dem entspricht eine breit angelegte soziale Konditionierung. Statt die Aushandlungsfähigkeit politischer Gremien oder irgendeine Solidargemeinschaft in Anspruch zu nehmen, soll sich der Einzelne am Riemen reissen und seine Eigeninitiative und Autonomie stärken. Nicht die Politik soll sein Betätigungsfeld sein, sondern die Konsum- und Arbeitswelt. Sein Leben soll das Leben eines konsumfreudigen und leistungsbeflissenen Individualisten sein, der sich nur noch in seiner eigenen radikal entpolitisierten Truman Show bewegt.

 

Eng mit dem Neoliberalismus verzahnt ist ein Problem, das der libanesische Autor Nassim Nichalos Taleb in seinem vielbeachteten Buch "Der Schwarze Schwan" ausführlich beschrieben hat. Die technische Reproduzierbarkeit einzelner Arbeitsvorgänge erzeugt eine absonderlichen Skalierung. Was meint Taleb damit? Nehmen wir als Beispiel einen Sänger aus dem 18. Jahrhundert. Nicht irgendeinen Sänger, sondern einen damals hochberühmten Sänger wie Farinelli. Pro Auftritt konnte er vielleicht 300 Menschen erreichen, wenn der Konzertsaal voll war. Sein Gesang konnte immer nur in Echtzeit erlebt werden. Für jede Gesangsdarbietung musste er die volle physische Kraft aufbringen, und die Konzerttourneen müssen bei den damaligen Strassenverhältnissen äusserst strapaziös gewesen sein. Andererseits war sein Lohn, verglichen mit den Einkünften heutiger Star-Musiker, eher bescheiden. Der Sänger des 18. Jahrhunderts konnte selbst als Star niemals so reich werden wie Mick Jagger, der seine Schallträger für sich "arbeiten" lassen kann. Wenn Mick Jagger überhaupt noch Konzerte gibt, dann nur, weil er den ewigen Jungspund markieren möchte, aber bestimmt nicht des Geldes wegen. Das Geld fliesst ihm buchstäblich im Schlaf zu. "Skalierbarkeit" heisst, dass der Lohn sprunghaft ansteigt, sobald die Arbeit technisch reproduziert wird. Ein Friseur schneidet die Haare in Echtzeit und ohne Multiplikationsgerät. Er kann immer nur eine Frisur bearbeiten. Und im Schlaf verdient er nichts, weil dann nämlich seine Arbeit ruht. Seine Arbeit setzt sich eins zu eins in Geld um. Dementsprechend gering ist sein Lohn. Oder nehmen wir den Taxifahrer: er verrechnet die zurückgelegten Kilometer, und vor jeder neuen Fahrt muss er den Taxameter wieder auf Null zurückstellen. Auch er muss jedes Mal wieder aus dem Bett steigen, wenn er etwas verdienen möchte. Und sein Lohn ist gering. Die Autorin von "Harry Potter" kann hingegen so lange ausschlafen, wie sie möchte. Sie muss nicht jedes einzelne Buch, das sie verkauft, extra nochmals schreiben. Ein einziges Manuskript genügt, um einen Millionenmarkt anzukurbeln. Dementsprechend hoch sind die Einnahmen. Ähnliches gilt für Filmstars, Profi-Sportler, Produkteentwickler, IT-Forscher, Ingenieure, Werbeleute und so weiter. Sobald sie ihre Sache angekurbelt haben, verdienen sie im Schlaf. Es ist der Multiplikationseffekt, der es ausmacht. Mit Ausnahme der Journalisten, die aus diesem Schema herausfallen, gehören fast alle Menschen, die Ideen, Konzepte und Produkte oder gar den eigenen Starkult promoten und erfolgreich zur Reproduktion freigeben, zu den Top-Verdienern. Die Exponentialität, mit der sich diese Gewinne vervielfachen, ist jedoch nicht die Regel. Nicht jeder, der die Kurbel der Reproduktion bedient, hat damit Erfolg. Die Multiplikationsmaschine arbeitet sehr unzuverlässig. Der exponentielle Erfolg - darauf zielt Talebs Beschreibung eigentlich ab - ist ein schwarzer Schwan. Die erfolgreiche Multiplikation unterliegt einer gewissen Unwahrscheinlichkeit. "Harry Potter" hat niemand erwartet, und niemand konnte darauf setzen, dass dieses Manuskript ein Welterfolg werden würde. Unzählige Verlage haben es abgelehnt. Doch wenn so etwas einschlägt, dann ist der Reibach programmiert. Die modernen Reproduktionsmöglichkeiten begünstigen exponentielle Multiplikationen, sobald etwas in den Bereich vorstösst, wo es zum Selbstläufer wird. Von da an erledigt sich die Arbeit von selbst, und der Geldfluss wird zum Niagarafall. Dabei muss nicht einmal eine wirkliche Leistung erfolgen. Mit dem Glück des Lottogewinners und dem richtigen Händchen kann man buchstäblich für nichts berühmt werden - und damit Millionen verdienen. Berühmtheit um ihrer selbst willen gab es bis vor kurzem nur in Adelskreisen. Und die Adligen sind ja immerhin noch das Produkt einer Auslese. Das Internet ermöglicht eine noch radikalere Exklusivität. Wir erleben eine "Versaillisierung" der Gesellschaft. Im und durch das Internet bildet sich eine neue Oberschicht, die sich exponentiell bereichert. Wer mit dem goldenen Löffel auf die Welt kommt, hat es ziemlich einfach, noch mehr Reichtum und dazu auch noch Berühmtheit zu erlangen, während alle anderen kaum noch Aufstiegschancen haben. Die Exponentialität hat sich erhöht - und mit ihr auch die Exklusivität, die den Ausschluss quasi mittransportiert. Je extremer der exponentielle Ausschlag nach oben, desto schwieriger ist es für Outsiders und Nobodys, in die exklusiven Sphären aufzusteigen. Insofern ist das Internet trügerisch. Es spiegelt Nähe, Transparenz, Offenheit und Demokratisierung vor. Zugleich entfesselt es eine Skalierung, die die Lebenswelten mit Lichtgeschwindigkeit auseinandertreibt. Das digitale Versailles, an das die herkömmlichen Medien automatisch andocken, wird immer hermetischer, immer exklusiver, obwohl es alles verkörpert, was man als populär empfindet. Populär war im 18. Jahrhundert auch der Hof von Versailles. Das einfache Volk bekam jeden Hofklatsch mit, durfte aber keinen Kuchen essen. Heute ist dieser Abstand noch viel extremer. Das Internet ermöglicht Multiplikationen, von denen man früher nur träumen konnte. Und je mehr schon da ist, desto mehr kann dank digitaler Verbreitung ("Social Networking") multipliziert werden. Nicht nur in Bezug auf Berühmtheit, sondern auch in Bezug auf Vermarktung. An diesem Punkt deckt sich Talebs Theorie der Skalierbarkeit mit Wengers Begriff der Null-Grenzkosten: Digitalisierung schlägt Arbeit. Oder besser gesagt: vernichtet Arbeit.

 

Berufsleute, die mit dem Echtzeit-Taxameter arbeiten, schlittern zusehends in Selbstausbeutung, Lohnsklaverei und Armut hinein, während eine dünne, hochdigitalisierte Upperclass wie bescheuert absahnt. Die Lösung besteht nun eben nicht darin, dass man die Echtzeit-Arbeiter dazu anhält, sich umzuschulen, bis sie vielleicht mal einen Bestseller schreiben oder ein neues Pharma-Produkt entwickeln. Der Multiplikationsfaktor ist eine unberechenbare Selektionsmaschine. Wer diese für sich nutzen möchte, ohne über eine privilegierte Startposition zu verfügen, könnte genausogut Lotto spielen. Im Neoliberalismus hat das freilich System. Das Leistungsprinzip wird vorgeschoben, um die Menschen bei der Stange zu halten. In Wirklichkeit ist aber Leistung nur noch ein untergeordnetes Kriterium. Wer aufsteigen darf und wer nicht, entscheidet die ominöse Selektionsmaschine - und nicht die tatsächliche Leistung. Im Neoliberalismus herrscht nicht das Leistungs-, sondern das Lotterieprinzip. Die Gewinner sind, was ihre überwältigende Mehrzahl betrifft, nicht die Klügsten, Stärksten, Originellsten - und schon gar nicht die Fleissigsten. Die Gewinner sind lediglich die Gewinner. An jeder Musikschule gibt es begabtere junge Musiker als Justin Bieber. Und wofür ist eigentlich Daniela Katzenberger berühmt? Jeder arbeitslose Bierdeckeli-Sammler leistet mehr als sie.

 

Ich frage mich oft, was in Menschen vorgeht, die in diesem System aufgewachsen sind. Für jemanden, der nichts anderes kennt, ist der neoliberale Wahnsinn vermutlich das schlechthin Normale. Ich habe noch ziemlich bewusst eine Zeit mit anderen Wertvorstellungen und einem anderen Menschenbild erlebt. Und nein, ich stamme nicht aus der DDR. Ich stamme lediglich aus der Vergangenheit. In meiner Kindheit und Jugend hatten die Leute ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich an Weihnachten Geschenke machten. Man sah im Fernsehen die Hungerbäuche. Man sah auch die Drögeler und Alkis in den Grossstädten, die Ausgestossenen der Konsumgesellschaft. Dass die Welt von geldgierigen Arschlöchern regiert wird und die RAF eigentlich gar nicht so weit danebenliegt, sagte man zwar nicht geradeheraus, aber es war eine Meinung, die man unter Kollegen und bei einem Glas Bier durchaus äussern durfte. Niklaus Meienberg verfasste für die Weltwoche seine bissigen "Ausschweifungen", und der Ex-Migros-Manager Hans A. Pestalozzi schrieb "Nach uns die Zukunft", ein Pamphlet, das mit der Wirtschaftsgläubigkeit der Yuppies aufräumte. Damals, in den Siebziger- und Achtzigerjahren, hätte man ein Krankenkassensystem, das die Fitten und Gesunden begünstigt und die Kranken benachteiligt, als faschistoid angeprangert. Als eine Vorstufe zur Eugenik. Damit wären die Politiker, Manager und Ökonomen nicht durchgekommen. Man hätte sie gelyncht. Heute bekommen sie für solche Ideen ein Lob von Avenir Suisse - oder einen Schlaumeier-Pokal von Operation Libero, dem neoliberalen Schlaumeierverein, der das freisinnige Fortschrittsgefasel ein bisschen entschlackt hat, damit es besser getwittert werden kann. An sozialdarwinistische Methoden des Profitstrebens haben wir uns längst gewöhnt. Wie auch daran, dass politische Korrektheit immer nur dort zum obersten Prinzip erkoren wird, wo sie dem Profitstreben dient. Wenn die Moral das Profitstreben durchkreuzt, verzichtet man gerne auf den primitivsten Anstand und legt plötzlich ganz andere Wertmassstäbe an. Das ist übrigens mit ein Grund, weshalb die sogenannten Rechtspopulisten mit gezielten Tabubrüchen punkten können. Je lauter sich die liberalen Geister darüber empören, desto offensichtlicher bedienen sie einen heuchlerischen Konsens. Der Liberalismus hat uns eine penetrante Doppelmoral beschert. Dazu gehört auch, dass man Diskriminierungen mit grossem Empörungsgeschrei bekämpft, aber gleichzeitig ausblendet, dass die meisten menschenunwürdigen Ungleichheiten nicht von Diskriminierungen herrühren. Dass die Putzfrau mit ihrem Lohn nicht über die Runden kommt, liegt nicht an der fehlenden Frauenquote. Und ob die Putzfrau Ausländerin oder Schweizerin ist, tut ebenfalls nichts zur Sache. Anti-Diskriminierungsmassnahmen nützen hier überhaupt nichts. Sie lenken nur vom eigentlichen Problem ab, nämlich davon, dass wir uns auf dem besten Weg in eine neue Feudalgesellschaft befinden. Im Gegensatz zur Nachkriegszeit, als die sprichwörtliche Tellerwäscher-Karriere noch möglich war, sind im 21. Jahrhundert kaum noch Aufstiegschancen vorhanden. Jeder kämpft nur noch darum, nicht absteigen zu müssen. Jeder - ausser den Reichen und Superreichen, die davon profitieren, dass die Lohnabhängigen in ihren chronischen Abstiegsängsten ein hohes Mass an Eigenmotivation an den Tag legen und den inneren Schweinehund bekämpfen anstatt diejenigen, von denen sie ausgebeutet werden. Die wahren Schweinehunde sind die Reichen und Superreichen. Und natürlich deren Marionetten: die Politiker von links bis rechts. Letztlich ist der ganze neoliberale Zirkus ein Trick der Reichen, um die Armen unten zu halten und effizienter ausbeuten zu können, das Sheriff of Nottingham-Syndrom der Postmoderne.

 

Einen Bösewicht sucht man im Neoliberalismus allerdings vergeblich. Die Akteure sind so zahlreich und in derart unterschiedliche Netzwerke eingebunden, dass man als Robin Hood jeden Überblick verliert. Da müsste man schon mit dem Rasenmäher dahintergehen. Ein Machtzentrum existiert nicht. Und die Neoliberalisten wollen auch niemanden unterdrücken oder abhängen. Es geschieht halt einfach. Ohne böse Absicht. Eine gut laufende Wirtschaft erzeugt Kollateralschäden, wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer, und auf jeden, der viel hat, kommen zehn, die nichts haben. Was ja immer noch besser ist, als wenn alle nichts haben. Der Neoliberalist fügt niemandem Schaden zu, zumindest nicht bewusst oder absichtlich. Er macht leidiglich den Weg frei für noch mehr Automatisierung, noch mehr Selbstregulierung, noch mehr Marktdynamisierung und vor allem höhere Profite. In dieser hermetisch geschlossenen Rationalität der unentwegten Optimierung gelten sämtliche Störfaktoren, die sich nicht verdrängen oder ausblenden lassen, als Verstärker. Funktionsversagen, widerständige Impulse, Unglück und Leid können und sollen wirtschaftlich gemacht werden. Selbst aus dem, was sich dem Wettbewerb verweigert oder entzieht, kann noch Profit geschlagen werden. Du bist gegen modische Angepasstheit? Kein Problem. Extra für dich gibt es mit Säuren und Bimssteinen behandelte Jeans mit Löchern und abgewetzten Stellen. Du bist ein armer Schlucker? Kein Problem. Dann verkaufst du halt eine Niere. Du hast ja zwei davon. Du möchtest einmal richtig böse sein? Kein Problem. Dann gehst du in einen sogenannten Destruction Room und schlägst dort für fünf Franken pro Minute alles kurz und klein. Du bist ein Mensch ohne Bildung und Verstand? Kein Problem. Dann spielst du in einer Reality-TV-Serie mit und machst dich für ein geringes Entgelt zum Affen.

 

Was für das einzelne "gefallene" Individuum gilt, gilt auch für soziale Einrichtungen, die sich um unproduktive oder ausgemusterte Menschen kümmern. Spitäler, Asylantenheime, Sterbehospize, Gefängnise, Psychiatrische Anstalten und Altersheime unterliegen dem gleichen Profitstreben wie ein Unternehmen, das Turnschuhe, Spielzeug-Entchen oder I-Pods herstellt, und so wird niemals irgendetwas zum Anlass genommen, hinter den neoliberalen Funktionszusammenhang zu blicken. Sobald etwas aus dem System herausfällt, wird es profitabel gemacht und wieder in das System eingeschleust. Wenn das nicht so gut gelingt, wie zum Beispiel bei der Armut, die sich unter neoliberalen Verhältnissen wie Fusspilz ausbreitet, engagiert man eine Kohorde Statistiker, die den Nachweis erbringt, dass es gar keine Armut gibt. Es gibt nur Leute, die den Hintern nicht hochbekommen. Die unangenehme Wahrheit ist, dass der Neoliberalismus die soziale Zerklüftung, die er produziert, geradezu benötigt, um überhaupt funktionieren zu können. Konkurrenz und Neid beleben das Geschäft. Unzufriedenheit treibt an. Unruhe schafft Flexibilität. Soziale Ungleichheit ist für die neoliberale Wirtschaft ein Segen, ein Garant für Fortschritt und Stabilität. Was natürlich ein bisschen paradox ist. Stabilität bedeutet hier das genaue Gegenteil von Stillstand oder Beharrung. Die neoliberale Stabilität kann man mit einem beständigen Umrühren vergleichen. Wenn man einen Brei umrührt, gibt es in der Bewegung eine Ungleichverteilung, die die Gesamtmasse aufspaltet in Viel und Wenig. Die Dynamisierung im Kleinen und Kleinsten erzeugt einen Gesamtprozess des Anhäufens und Abschöpfens, einen Sog nach oben. Deshalb scheisst der neoliberale Teufel immer auf den grössten Haufen. Wer hat, dem wird gegeben. Die Ungleichheit ist das Wesensprinzip der neoliberalen Ökonomie. Trotz aller Dynamisierung ist die Zielrichtung sehr einheitlich: die Kapitalakkumulation. Unten wegnehmen und oben anstücken. Das ist das Prinzip. Und dieses Prinzip kommt nun auch in der Digitalisierung zum Tragen. Wobei die Digitalisierung die neoliberale Umverteilung in jeder Hinsicht vorantreibt. Die Digitalisierung würde nicht stattfinden, wäre sie nicht ein Katalysator der Umverteilung von Arm zu Reich.

 

Beispiel gefällig? Ich weiss nicht, worin mein Gewinn bestehen soll, wenn ich ein Zugbillett per App löse anstatt an einem Schalter. Stellen wir uns diese Frage mal ganz naiv. Was habe ich davon? Spare ich Zeit? Vielleicht. Ist es praktischer? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Einen wirklich überzeugenden Vorteil kann ich beim besten Willen nicht ausmachen. Das Selbstmanagement mit dem technischen Handling und dem benötigten Access ist in der Regel zeitaufwändiger als die Abfertigung an einem Schalter. Und es hat durchaus seine Tücken, auch in puncto Sicherheit. Ich weiss also nicht wirklich, worin der Bonus oder Mehrwert besteht, wenn ich als Kunde meine Transaktionen virtuell abwickle. Ich weiss aber sicher, dass die SBB - um bei meinem Beispiel zu bleiben - durch den digitalen Kundentransfer Personalkosten einspart und einen höheren Gewinn einfährt, der auch dadurch zustandekommt, dass die Firma meine personalisierten Daten absaugt und verwertet, während die Billettpreise um kein Jota fallen, im Gegenteil. Der Kunde hat also eigentlich nichts davon. Er wird auch gar nicht gefragt. Die technischen Möglichkeiten definieren das Angebot, "weil sie da sind". Und dieses Angebot erzeugt dann die Nachfrage, die dann plötzlich da ist, weil alles andere auch schon da ist. Die Automation erfolgt also automatisch, das heisst: in reziproker Abhängigkeit von den Mitteln, die sie nutzt und ihrerseits weiterentwickelt. Darin verwirklicht sich das Prinzip der profitgesteuerten Selbstregulierung, das nach neoliberaler Auffassung das optimale Funktionieren wirtschaftlicher Prozesse gewährleistet. Und hier wird denn auch deutlich, wie stark der Neoliberalismus von der herrschenden Politik (von links bis rechts) gesteuert wird. Gerade am Beispiel der SBB zeigt sich auch die ideologische Absicht. Die totale Ökonomisierung ist politisch gewollt. Die SBB erfüllt den Auftrag des Bundes, "den Wert des Portfolios zu steigern", wie es im neoliberalen Wirtschaftsjargon so schön heisst. Die Profitsteigerung ist das staatlich verordnete Ziel, während das Wohl der Allgemeinheit höchstens noch als Alibi ins Spiel kommt. Nichts gegen die SBB, ich fahre gerne Zug. Solange es noch einigermassen erschwinglich ist. Und solange man sich den Fahrausweis nicht als Chip unter die Haut implantieren lassen muss, wie das in Schweden bereits praktiziert wird, wenn auch nur in einem Pilotversuch. Gewisse Vorbehalte sind durchaus angebracht. Ab einem bestimmten Punkt - aber wo genau? - wird die Sache anrüchig. Die Digitalisierung wird nicht beim Smartphone stehenbleiben, soviel ist jetzt schon klar, und wäre sie nicht das geeignete Mittel, um die Reichen reicher zu machen, würde man an den Bahnschaltern heute noch einen halbautomatischen Setzkasten bedienen, um jene dicken beigen Kartonplättchen herzustellen, die der Kondukteur - wir erinnern uns - nur mit der kräftigsten Kneifzange durchstechen konnte. Das Motto "Simplify your life", das die SBB zwar nicht wortwörtlich, aber sinngemäss übernommen hat, um den weltbesten Taktfahrplan anzupreisen, könnte man nämlich auch so verstehen: möglichst wenig Digitalisierung, zurück zum Manuellen und Greifbaren. Zurück zur Kneifzange! Doch der Kapitalismus will es anders. Ich habe meinen Marx gelesen, deshalb weiss ich, wie der Hase läuft. Gestützt und gefördert durch den öffentlich-rechtlichen Auftrag und begünstigt durch die Digitalisierung treiben die SBB ihrerseits die Digitalisierung voran und betreiben damit eine Vermögensumlagerung von unten nach oben, die das Profitstreben jedes Privatkonzerns in den Schatten stellt. Zudem eröffnen sich hier Einnahmequellen, die den eigentlichen Aufgabenbereich der SBB kaum noch tangieren. So vermietet das Unternehmen lukrative, für Manager-Verhältnisse jedoch äusserst preiswerte Luxus-Wohnungen beim Bahnhof Zürich-Altstetten. Was ja durchaus dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entspricht. Die SBB ist schon längst eine staatlich protegierte Kommerzmaschine. Ob und inwiefern dieses Geschäftsgebaren der Allgemeinheit einen Vorteil bringt, ist eine überflüssige Frage. Darum geht es nämlich gar nicht. Das neoliberale System ist so ausgelegt, dass sich die Profiteure gegenseitig bevorteilen können, ohne rechenschaftspflichtig zu werden. Es etabliert eine Günstlingswirtschaft für die oberen Zehntausend, während die Kunden mit immer raffinierteren Marketingmethoden und Angebotspaletten geködert und ausgeplündert werden. An diesem Prozess hat die Digitalisierung einen wesentlichen Anteil. Sie beschleunigt die neoliberale Ökonomisierung, die ich hier nur schlagwortartig streifen kann - und die ich dennoch darstellen muss, um verständlich zu machen, dass man die Digitalisierung nicht losgelöst von der Ökonomie betrachten kann. Natürlich lässt sich das alles damit erklären, dass die SBB gut wirtschaften muss, um ihren hohen Qualitätsstandard halten zu können. Das stimmt. Und stimmt auch nicht. Das Argument hat einen Pferdefuss. Was heisst Qualität bei der Eisenbahn? Sie muss mich von A nach B befördern können. Das muss technisch klappen. Dafür kaufe ich ein Zugbillett. Ich kaufe das Zugbillett aber nicht für einen Wickeltisch, eine Lärmschutzwand, die nur dazu da ist, den Kaufwert von Bauland zu schützen, ein Kinderabteil, einen WLan-Anschluss oder neue Prestige-Bahnhöfe, in denen ich rund um die Uhr shoppen kann. Indem ich ein Billett kaufe, finanziere ich das alles mit - bis hin zur aufwändigen Marketing-Kosmetik. Obwohl die SBB ein Staatsbetrieb ist, muss sie sich an die freie Marktwirtschaft anpassen. Allein für das Branding - zum Beispiel das trendige Strich-Design auf den Glaswänden jedes noch so kleinen Wartehäuschens - gibt die SBB Unsummen aus. Als es noch ein Dritte-Klasse-Abteil gab, war das Zugfahren im billigsten Bereich vielleicht nicht so komfortabel wie heute. Aber es war genauso schnell, und selbst wenn man die damaligen Preise auf das Niveau der heutigen Kaufkraft hochrechnet und berücksichtigt, dass solche Vergleiche heikel sind, muss man zugeben, dass das "Holzabteil" verdammt billig war. Es war nicht einfach nur das Pendant zum heutigen Zweite-Klasse-Abteil. Man hat nicht einfach nur die Nummer und die Innenausstattung ausgewechselt. Man hat die ganze Philosophie ausgewechselt. Das "Holzabteil" war ausdrücklich für die weniger Vermögenden gemacht. Die Reichen fuhren Auto. Von ihnen konnte die SBB keine allzu grosse Scheibe abschneiden. Das hat sich fundamental geändert. So wie sich auch die Wirtschaftsmethoden insgesamt verändert haben. Neoliberale Gewinnmaximierung erzielt man eben auch damit, dass man das Grundangebot "veredelt" und dessen Zweck (Personen von A nach B zu befördern) durch brainstormmässig ausgeheckte Zusatzangebote verwischt, wenn nicht sogar zur Nebensächlichkeit verkommen lässt. Fatalerweise verteuert man dadurch das Grundangebot, was die Lebensqualität breiter Bevölkerungsschichten stark beeinträchtigt. Obwohl sie mit Sonderangeboten und Dienstleistungen regelrecht zugedröhnt werden, können sich Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, die Fahrt von A nach B kaum noch leisten. Der Preisüberwacher hat in einer 2013 veröffentlichten Studie belegt, dass Zugfahren deutlich teurer ist als Autofahren. Und man muss betonen: vor wenigen Jahrzehnten war das noch völlig anders. "Der Kluge fährt im Zuge" Wer erinnert sich noch an diesen Slogan? Inzwischen hat man das ein bisschen umformuliert. Nun heisst es: "Der Reiche stellt die Weiche." Mit der neoliberalen Taktik, die man dem Grossunternehmen SBB implementiert hat, spaltet man die Gesellschaft. Es gibt die Dauer-Profiteure, die alle möglichen Vorteile abgreifen, weil sie es sich leisten können, und es gibt diejenigen, die nicht mal auf das Grundangebot zugreifen können, weil dort das Preisniveau fortwährend angehoben wird. Die Erhöhung der Billettpreise trifft absurderweise vor allem diejenigen, für die das Autofahren zu teuer ist. Im Luxussegment läuft die Entwicklung konsequent in die andere Richtung: immer mehr Vergünstigungen und Sonderangebote zielen auf das dicke Portemonnaie. 

 

Ob sich der vielfach beschworene Strukturwandel, aus dem dann irgendwann neue Jobs und Berufe hervorgehen, als Märchen entpuppen wird, ist gegenwärtig noch nicht definitiv zu beantworten. Aber es spricht doch einiges dafür, dass wir es hier mit einer ähnlichen reziproken Dynamik zu tun haben wie beim virtuellen Zahlungsverkehr. Auch hier greift eine Selbstregulierung, die alles hinwegwischt, was sich von aussen mit Bedenken oder Ansprüchen einzumischen versucht. Die technische Entwicklung wird zum Selbstläufer, der für die neoliberale Ausbeutung das ideale Schmiermittel bereitstellt. Ideal auch deshalb, weil niemand etwas dagegen vorbringen kann. Die technische Innovation braucht nicht begründet zu werden. Sie hat nicht die besseren Argumente und braucht auch keine Argumente. Sie ist an sich schon das bessere Argument. Fortschritt zieht immer. Fortschritt rechtfertigt sich aus sich selbst heraus. Zudem hat die bevorstehende digitale Umwälzung ein nahezu perfektes Alibi: die jüngste Vergangenheit. Bei genauerem Hinsehen erweist sich dieses Alibi allerdings als Schwindel. Der digitale Wandel der Achtzigerjahre, der beweisen soll, dass die Revolution 4.0 auch nicht so schlimm sein wird, taugt als Vergleich nur bedingt. Die damaligen Softwaresysteme waren so konzipiert, dass sie unsere Assistenten werden konnten. An einen Menschenersatz dachte noch niemand. Eine vom Menschen losgelöste Funktionalität war noch ein Fernziel, die Selbstregulierung eine Utopie. Was am und mit dem Computer gemacht wurde, ähnelte dem Bauklötzchenspiel im Kinderzimmer. Es herrschte Chaos, kein Computer war absturzsicher, und die Anwender verhedderten sich in einem Kabelsalat, den nur die Spezialisten entwirren konnten. Und Spezialisten brauchte es en masse. Die erste Digitalisierung war ein Jobwunder, das viele Optimisten im Hinterkopf haben, wenn sie von den Segnungen der Industrie 4.0 schwärmen. Allerdings könnten sie da ziemlich weit danebenliegen. Für das, was auf uns zukommt, bietet die Vergangenheit keinerlei Vergleichsmöglichkeit. Den Job eines IT-Spezialisten kann heute jedes mittelmässige Computerprogramm übernehmen, und die Frage, wer denn die Eier legt, wenn keine Hühner mehr da sind, erübrigt sich. Wir haben es hier mit selbstlernenden Systemen zu tun. Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine ist schon längst keine Partnerschaft mehr. Stück für Stück übertragen wir unser Können auf autonome Systeme, die das neoliberale Rationalisierungsbestreben zur Vollendung bringen. Der Mensch ist entlassen: in die Freiheit oder in die totale Versklavung, je nachdem. Die Prothesen übernehmen, und der Mensch darf sich abmelden. Die Logik dahinter ist banal. Als Arbeitnehmer arbeite ich immer mit der Zielvorgabe einer strikten Effizienzsteigerung, sogar wenn ich beim Staat arbeite. Das konstante Problem dabei bin ich selber: ich, der Arbeitnehmer. Ich bin der kostenintensive Schwachpunkt, vor allem in Relation zu den Alternativen, die meine menschliche Arbeitsleistung schon sehr bald ersetzen könnten. Angesichts von autonomen Systemen, die immer zuverlässiger und billiger arbeiten, kommt der Arbeitnehmer aus Fleisch und Blut zwangsläufig in die Bedrouille. Sobald die Maschinen intelligenter, schneller, zuverlässiger, billiger und damit auch profitbaler arbeiten als Menschen, ist es um die Menschen geschehen. Und zwar mit einer gewissen Endgültigkeit.

 

Im März 2017 präsentierte IBM Watson in Kooperation mit der neuseländischen Firma "Soul Machines" eine interaktive Avatarin namens "Rahel", die mit ihren Denk- und Kommunikationsfähigkeiten ohne weiteres als Hotel-Receptionistin arbeiten könnte. Die Hürde der menschlichen Intelligenz ist so gut wie genommen. Das Einzige, was den Entwicklern weltweit noch Kopfzerbrechen bereitet, ist der menschliche Körper, insbesondere die Motorik. Bis jetzt sind humanoide Roboter nicht viel mehr als staksende Hampelmänner. Kunstturner und Fussballer wird man wahrscheinlich nicht so schnell ersetzen können. Auch Maurer, Tapezierer und Gipser könnten noch Glück haben. Zuerst kommen die sogenannten Kopfarbeiter dran, und hier wird in den nächsten hundert Jahren wohl niemand verschont bleiben. Durch die exponentiell fortschreitende Entwicklung künstlicher Intelligenz werden die Rückzugsmöglichkeiten menschlicher Verstandesleistungen immer schmaler, immer diffuser. Wo man auch hin will, überall bröckelt der Boden unter den Füssen weg. Künstliche Intelligenz baut auf künstlicher Intelligenz auf. Und je weiter diese Entwicklung voranschreitet, desto mehr kommt sie in Fahrt. Derzeit überschlagen sich Erfolgsmeldungen, die darauf hinweisen, dass es den unantastbaren Bereich rein menschlicher Denkfähigkeit bald nicht mehr geben wird. Eine Analyse des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Gartner hat ergeben, dass selbstlernende Algorithmen bis in ungefähr fünf Jahren die meisten Arbeiten übernehmen könnten, für die heute noch eine hochqualifizierte Ausbildung erforderlich ist: Aufgabenfelder wie Systemadministration, Helpdesk, Projektmanagement und jegliche Art von Support. Eine Meldung, die unter vielen ähnlichen Meldungen kaum auffällt. Und doch weist sie auf etwas Grosses hin. Auf ein welterschütterndes Novum. Vergleichbar ist das nur mit der Erfindung der Atombombe und der seither bestehenden Möglichkeit, dass sich die Menschheit per Knopfdruck auslöschen könnte. Eigentlich könnte der Mensch vollkommen aus dem Arbeitsleben verschwinden. Wenn das nicht sofort oder in absehbarer Zeit geschieht, dann nur deshalb, weil sich die Investition in künstliche Intelligenz noch nicht in jedem Fall lohnt, weil also der Mensch an vielen Orten nach wie vor billiger arbeitet als eine Maschine. Und genau hier liegt die absehbare Fatalität. Auch wenn die Erwerbsarbeit nicht augenblicklich zum Erliegen kommt, weil es noch genügend Ausweichmöglichkeiten gibt, erfährt der Mensch eine schleichende Abwertung. Denn die Entwicklung in Richung autonomer Systeme ist vorgezeichnet. Von der technischen Realisierbarkeit her sind die Einsatzmöglichkeiten solcher Systeme bald schon unbegrenzt. Die Frage wird nur noch sein, ob es sich finanziell rechnet oder nicht. Der Mensch ist in jedem Fall ein Auslaufmodell. Er darf bleiben, aber eben nur als Lückenbüsser, Übergangslösung und leicht verfügbare Billig-Variante. Das ist der entscheidende Punkt, den viele noch nicht begriffen haben, die den gegenwärtigen Strukturwandel lediglich als Umlagerung interpretieren. Hier verschwinden ein paar Jobs, dort entstehen ein paar neue. Das kennt man. Damit kann man etwas anfangen. Und oberflächlich betrachtet ist es gar nicht so weit hergeholt: es gibt neue Jobs - und es wird immer wieder neue Jobs geben. So wie es auch noch Ochsen und Maulesel gibt. Für irgendetwas sind diese Tiere durchaus noch zu gebrauchen. Man kann sie zum Beispiel verwursten oder in einen Streichelzoo stellen. Die meisten Arbeitnehmer unter 30 werden vermutlich das Schicksal dieser Tiere teilen. Lange vor dem Renteneintritt werden sie das grosse Ruder aus der Hand geben müssen. Und selbstverständlich wird es für sie noch irgendwelche Jobs geben. Vielleicht im Freelancer- oder Handlangerbereich, Jobs auf Zeit und vor allem Jobs, die derart unsicher, weil situations- und projektbezogen sind, dass sich der Einsatz von künstlicher Intelligenz nicht lohnt.  Am Grundproblem ändert das nichts. Als Produktivitätsfaktor steht die menschliche Erwerbsarbeit endgültig auf der Kippe. Wie auch als Brenn- und Mittelpunkt des sozialen Lebens und der humanen Selbstfindung. Wer in naher oder ferner Zukunft noch arbeiten will oder muss, wird zum letzten Dreck degradiert, falls er nicht zu dem einen Prozent der hochspezialisierten Koordinatoren gehört, die längerfristig aber eigentlich auch nichts anderes tun, als ihre eigene Eliminierung vorzubereiten.

 

Den Grossteil aller wirtschaftlichen Produktivität (und dazu gehören auch Denk- und Koordinationsaufgaben) erbringen schon heute Maschinen und ihre Algorithmen - und nicht irgendwelche wichtigtuerischen Berufsleute, die eine Unmenge Personalkosten verursachen, weil sie Lohn beziehen, krank werden, schwanger werden, das Firmen-WC verunreinigen, Büromaterial klauen, Mitarbeiter mobben, ständig verkatert sind oder Amok laufen, wenn sie mal einen schlechten Tag haben. Die Zukunft des Arbeitens wird vernünftigerweise vor allem darin bestehen, möglichst ohne Menschen auszukommen. Menschen sind verhältnismässig unwirtschaftlich. Es sind Mängelwesen mit einer biologischen Ausstattung, die im maximalen Betriebsmodus dazu befähigt, mit Speer und Keule die Savanne zu durchstreifen, je nach Saison und Jagdglück fünf bis zwanzig Stunden pro Woche. Menschen sind lauffreudige Primaten mit einem grossen Freiheitsdrang. Und einem eingebauten Energiesparmodus. Man nennt das auch "Faulheit". Mit Sicherheit sind Menschen nicht dafür ausgestattet, in einer 42-Stunden-Woche einem bezahlten Beruf nachzugehen, womöglich sogar in einem geschlossenen Raum und mit einem viereckigen Kasten vor dem Gesicht. So etwas hat die Natur nicht vorgesehen. Die Erwerbsarbeit hat sich von unseren körperlichen und mentalen Voraussetzungen radikal entkoppelt. Wohl auch deshalb wird sie zunehmend in Frage gestellt. Wohl auch deshalb fühlen sich so viele Erwerbstätige unzufrieden und ausgebrannt. Burnouts, wohin man blickt.

 

Natürlich ist das nur ein Aspekt. Mehr noch als um die biologische Conditio humana geht es um den sozialen und kulturellen Wert der Arbeit. Die Debatte um das Mindesteinkommen führt uns den Bedeutungsverlust des Arbeitens deutlich vor Augen. Und wenn Merkel im Wahlkampf des Jahres 2017 die Devise einer Vollbeschäftigung bis ins Jahr 2025 ausgibt, so bin ich wohl nicht der Einzige, der sich fragt, ob diese Frau nicht vielleicht einen anderen Planeten bewohnt. Dem gleichen Realitätsverlust erliegen auch der Bundesrat und seine allzu selbstgewisse Wirtschaftslobby. Mit Volldampf in den Eisberg der Vollbeschäftigung! Geht man aber davon aus, dass die Politiker und Wirtschaftsweisen wissen, was sie tun, so muss man wohl annehmen, dass ein böswilliger Plan dahintersteckt, eine Agenda der Versklavung und Pauperisierung von dauerrotierenden Billiglöhnern. Wo die Digitalisierung Einzug hält, fliesst das Kapital immer weniger Menschen zu. Besitze ich zum Beispiel ein vollautomatisiertes Hotel, in dem "Rahel" als Receptionistin arbeitet, verbuche ich die eingesparten Personalkosten als Gewinn. Das erwirtschaftete Geld konzentriert sich auf mich und auf einen winzigen Kreis von hochspezialisierten, personell extrem ausgedünnten Roboter-Unternehmen. Eine allfällige Reinvestition würde nur dazu führen, dass ich noch mehr Roboter beschäftige, die von Robotern zusammengebaut worden sind, die ihrerseits von einer Handvoll Spezialisten irgendwo in Thaiwan programmiert worden sind. Die unbeschäftigten, scheinbeschäftigen und auf Zeit beschäftigten Menschen hätten das Nachsehen. Doch andererseits könnte diese absurde Kapitalkonzentration einen Umsturz geradezu erzwingen. "Rahel" könnte zur Barrikadenstürmerin werden, zur Marianne des digital entmachteten Plebs. Die digitale Revolution - und insofern ist sie für die Mächtigen brandgefährlich - könnte eine kopernikanische Wende einläuten und die bisherige Wirtschaftslogik auf den Kopf stellen. Selbstverständlich wäre es dann vorbei mit der Ausbeutung. Es wäre aber auch vorbei mit der Wertschöpfungskette des modernen Kapitalismus.

 

Müsste man also nur das bedingungslose Grundeinkommen einführen, und alles wäre gut? Das zu glauben, wäre dann doch etwas naiv. Hier muss man die wirtschaftliche und soziale Realität sehen, in der man eine Dynamik erkennen kann, die Marx auf den Begriff des "Klassenkampfs" gebracht hat. Diese Realität wird durch das bedingungslose Grundeinkommen nicht einfach verschwinden. Das Angebot einer lebenslänglichen Grundrente ist ein Stillhaltepakt. Wenn man die "unproduktiven" Menschen mit Geld versorgt, kann man grössere Konflikte vermeiden. Zumindest eine Zeitlang. Man zögert die Eskalation hinaus, ohne das eigentliche Problem zu beseitigen - oder auch nur anzutasten: das kapitalistische Ur-Problem, das darin besteht, dass ein paar wenige Menschen über die Produktionsmittel verfügen, von denen die Mehrheit der Menschen wirtschaftlich abhängig sind. Diese Zeitbombe wird auch durch das bedingungslose Grundeinkommen nicht entschärft werden können. Die Maschinenbesitzer wenden eine gewisse Summe auf, um die unbrauchbar gewordenen Massen ruhigzustellen. So etwas lässt sich auf Dauer nur schwer legitimieren. Die Maschinen, die dieses Geld erwirtschaften, gehören ja immer noch Privatpersonen, die eine grosse Macht in sich vereinen. Eine heikle Situation. Die Mächtigen, die um des Friedens willen alle durchfüttern, die keine Arbeit haben, werden sich natürlich nicht von einer unproduktiven Mehrheit ans Gängelband nehmen lassen. Sie werden Privilegien einfordern und Bedingungen stellen. Was auf der Gegenseite - auf der Seite der Abgehängten und Abhängigen - Widerstand wecken wird. Denn diejenigen, die jetzt schon vom digitalen Wandel am stärksten betroffen sind und reihenweise ihre Jobs verlieren, gehören mehrheitlich nicht der ungebildeten Unterschicht an, sondern dem Mittelstand. Es sind Menschen, die sich politisch organisieren können. Soll heissen: die allfälligen Bezüger des Grundeinkommens werden sich längerfristig nicht wie Schafe verhalten, die man einfach nur weiden lassen kann. Da sie durch das Grundeinkommen an einem staatlichen Umverteilungssystem partizipieren, das die Wertschöpfung zentral reguliert, könnten sie die Privatwirtschaft in die eigene Verfügungsgewalt bringen, wenn nicht sogar abschaffen. Etabliert sich das bedingungslose Grundeinkommen, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Produktionsmittel über kurz oder lang - gewaltsam oder friedlich - verstaatlicht werden. Und so könnte am Ende doch noch der Sozialismus siegen. Ich habe den Champagner jedenfalls schon mal kaltgestellt.

 

Wenn man über das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert, muss man das immer mitbedenken. Hier geht es tatsächlich um alles. Es geht auch um die ganz persönliche Gretchenfrage: wie stehe ich zum Kapitalismus? In der Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen hat der alte, überwunden geglaubte Antagonismus zwischen Kapitalismus und Marxismus eine neue Aktualität erlangt. Die Digitalisierung hat den Marxismus sozusagen geuploaded: sie hat ihn reinstalliert. Und für die Mächtigen steht nichts weniger als die Macht auf dem Spiel. Da hört bekanntlich der Spass auf. Das wissen oder ahnen auch die drei Affen, die immer noch so tun, als wäre alles halb so wild. Dabei müssten sie sich mit dringlichen Frage beschäftigen, wie sie den Tiger reiten können, ohne gefressen zu werden. Der Marxismus hat Zukunft. Und damit ist nicht die gescheiterte Diktatur des Proletariats gemeint, für die Marx immer noch den Kopf hinhalten muss. Der grosse Wiedergänger namens Karl Marx, der plötzlich wieder von sich reden macht, ist nicht der gleiche Karl Marx, den man zu kennen glaubt. Es gibt einen wichtigen Aspekt bei Marx, den man lange Zeit ausgeblendet hat. Heute kann man sich auf einen hedonistischen Denker zurückzubesinnen, der schon vor über hundert Jahren von einer arbeitsbefreiten Gesellschaft träumte. Einer Gesellschaft, in der die Mensch genügend Zeit für sich selbst haben, "Zeit, die nicht durch unmittelbar productive Arbeit absorbirt wird, sondern zur freien Thätigkeit und Entwicklung Raum gibt..." Ein Leben in Musse. Ein Leben ohne Plackerei und Ausbeutung. Ein Leben der Selbstermächtigung und Selbstentfaltung dank grösstmöglicher Arbeitsreduktion. Dieser oftmals missverstandene Traum, den Karl Marx im 19. Jahrhundert geträumt hat, könnte dank der Digitalisierung nun endlich in Erfüllung gehen.

 

Juni, 2017