Der Draht nach drüben

FOTO UND INTERVIEW: Daniel Buess

Thomas Brand in seiner Gesundheitspraxis im Gemeindehaus Gelterkinden.
Thomas Brand in seiner Gesundheitspraxis im Gemeindehaus Gelterkinden.

Thomas Brand, 46, versteht sich als „sensitiv-medialer Berater“. In seiner Gesundheitspraxis im Gemeindehaus Gelterkinden unterstützt der gelernte Pflegefachmann und Betriebsökonom Menschen in schwierigen Lebenslagen. Dabei bezieht er sich auf eine spirituelle Lebensauffassung und betätigt sich als Medium. Was auf einen Nicht-Esoteriker befremdlich wirken mag, entspricht dem verbreiteten Bedürfnis nach einer Orientierung, die sich nicht nur nach rationalen Gesichtspunkten ausrichtet.

 

Als "sensitiv-medialer Berater" changiert Thomas Brand zwischen sehr vielen Richtungen. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin hat er vor fünf Jahren in Gelterkinden die Drei-Klang-Praxis eröffnet. Die Gesundheitspraxis im ehemaligen Gemeindehaus bietet diverse alternativmedizinische Behandlungsmethoden und therapeutische Beratungen an. Während Brands Partnerin vorwiegend mit Homöopathie und Bioresonanz arbeitet, ist sein Angebot eher psychologisch und spirituell ausgerichtet. In seiner "sensitiven Be-ratung" nimmt er individuelle Standortbestimmungen vor, die stark vom Psychologischen her definiert sind. Angebote wie "energetisches Heilen" oder Räucherrituale verweisen dagegen explizit auf einen esoterischen Hintergrund. Dazu gehört auch der regelmässig von Brand veranstaltete "spirituelle Entwicklungszirkel" oder die "mediale Beratung", in der es um "Jenseitskontakte" geht. Ganz anders gelagert sind die Tätigkeiten, die Thomas Brand als freiberuflicher Pflegefachmann ausübt, etwa im psychiatrischen Spitexdienst oder im Rahmen verschiedener Betreuungsaufgaben wie "Kriseninterventionen" oder "Alltagstraining". Der Bezug zur klinischen Psychiatrie ist bei Thomas Band sehr fundiert. Jahrelang hat der diplomierte Pflegefachmann, der ursprünglich Mittelschullehrer gewesen ist und ein naturwissenschaftliches Studium in der Tasche hat, in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet. Später ist ein Studium in Betriebsökonomie dazugekommen, eine Fachrichtung, die ihn auch heute noch begleitet. Auf Teilzeitbasis arbeitet er parallel zu seinen freiberuflichen Tätigkeiten in einem Regionalspital als Unternehmensentwickler und Qualitätsmanager.

In Ihrer Drei-Klang-Praxis bieten Sie zusammen mit Ihrer Lebenspartnerin verschiedene Beratungen und alternative Heilmethoden an. Sie bezeichnen sich als "sensitiv-medialer Berater". Können Sie mir das kurz erklären?

 

Ich verwende zwei Begriffe, die zwar Unterschiedliches meinen, aber doch auch viel miteinander zu tun haben: Sensitivität und Medialität. Sensitives Arbeiten basiert auf der Auseinandersetzung mit dem Gegenüber, das meine Hilfe in Anspruch nimmt. Zuerst nehme ich eine Standortbestimmung vor: wo steht die ratsuchende Person? Wo liegen ihre Möglichkeiten? Auf dieser Basis lassen sich dann Lösungen erarbeiten. Sensitiv ist das insofern, als ich das sehr intuitiv angehe. Allerdings muss ich nicht immer speziell “gespürig” sein, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Vieles ergibt sich aus dem Gespräch, aus dem, was da unmittelbar zur Sprache kommt. Man kann das mit einer normalen psychologischen Beratung vergleichen. Bei der Medialität erweitere ich die Sache um einen wichtigen Aspekt: den Bezug zur geistigen Welt. Wir sind von einer energetischen geistigen Welt umgeben, mit der wir in Kontakt treten können, um Rat und Hilfe zu bekommen. Jeder Mensch hat seine geistigen Helfer, die ihm beistehen. Ich nenne diese Helfer "mein Team". Das sind Personen aus der geistigen Welt, die mich in vielen Belangen unterstützen. Die Frage ist nur, ob man für diese Hilfe ein Gehör hat, ob man, anders gesagt, den Zugang zur eigenen Seele aktivieren kann, mit der diese Helfer in Verbindung stehen.

 

Im Rahmen Ihrer „sensitiv-medialen Lebensberatung“ stellen Sie ja auch „Jenseitskontakte“ her. Was verstehen Sie darunter?

 

In der medialen Beratung kommen häufig Menschen zu mir, die zu einem verstorbenen Angehörigen Kontakt aufnehmen wollen. Bei vielen dieser Todesfallgeschichten geht es um Schuld: vielleicht hat man die Chance vertan, etwas zu klären. Oder ein Streit wurde nicht beigelegt. Oder man konnte sich nicht verabschieden. Kurzum, die Betroffenen möchten etwas klären und versuchen mit ihrem Gewissen ins Reine zu kommen. Als Medium kann ich zwischen diesen Menschen und ihren verstorbenen Angehörigen einen Kontakt herstellen. Dadurch kann der innere Konflikt überwunden und der Verstorbene losgelassen werden.

 

Beruflich kommen Sie aus einer völlig anderen Richtung. Warum haben Sie sich der Esoterik zugewandt und eine eigene Heilpraxis eröffnet?

 

Die Medialität geht eigentlich auf meine Kindheit zurück. Schon da bemerkte ich eine besondere Wahrnehmungsfähigkeit an mir. Ich konnte aber nicht so recht damit umgehen. Ich distanzierte mich davon. Später wollte ich eine verlässliche Orientierung haben. Für mich waren das so handfeste Gebiete wie Physik, Mathematik und Biologie. Auf dieser Basis absolvierte ich ein Mittelschullehrer-Studium. Längerfristig war mir das dann doch zu einseitig. Ich hatte das Bedürfnis, Menschen zu helfen. Deshalb liess ich mich zum Pflegefachmann ausbilden und arbeitete einige Jahre in der Psychiatrie. Später orientierte ich mich dann in Richtung Betriebsökonomie und strebte damit wieder etwas sehr Handfestes an. Die Arbeit in der Psychiatrie hatte mich jedoch mit schwierigen Schicksalen konfrontiert. Und mit existentiellen Fragen, die mein Selbstverständnis tangierten: wer bin ich? Was will ich? Was ist meine Lebensaufgabe? Auf der Suche nach einer ganzheitlichen Orientierung ging ich zu einer Geistheilerin und Lebensberaterin. Sie konnte mir aufzeigen, dass die vordergründige Realität nicht alles ist, dass es da noch mehr gibt. Und nicht zuletzt hat mich diese Beraterin auf meine Medialität aufmerksam gemacht. Es ging also auch darum, diese Fähigkeit, die ich ja schon von Kind auf hatte, anzunehmen und als Berufung zu begreifen.

 

Auf die Medialität möchte ich dann später noch eingehen. Bleiben wir vielleicht noch bei Ihrem Werdegang. Sie haben Naturwissenschaften studiert. Gibt es da nicht eine Bruchlinie?

 

Nicht unbedingt. Nehmen wir die Physik. Sie beruht wie jede Wissenschaft auf Axiomen, auf Grundannahmen, die nicht weiter bewiesen werden müssen. Zum Beispiel die Grundannahme, dass nichts schneller als Licht ist. Wenn nun jemand dieses Axiom widerlegen könnte, wäre das derzeitige Denkmodell der Physik hinfällig. Das heisst, dass unser Modell des dreidimensionalen Raumes ein Konstrukt ist, eine Beschreibung. Sie richtet sich nach einem bestimmten Kenntnisstand. Der ist nicht absolut. Und die Realität kann auch auf anderen Wegen zugänglich sein. Erst kürzlich habe ich ein spannendes Buch gelesen. Der Autor ist Astrophysiker, der ursprünglich Priester hatte werden wollen. In seinen Büchern wagt er einen Brückenschlag zwischen mythischem und naturwissenschaftlichem Denken. Er sieht da keinen Widerspruch, sondern zwei Beschreibungsformen, die sich durchaus miteinander verbinden lassen.

 

Wie gehen Sie mit skeptischen oder ablehnenden Reaktionen um?

 

Solche Reaktionen gibt es, aber sie sind selten. Was vielleicht damit zu tun hat, dass ich meine Ansichten niemandem aufdränge. Einem Skeptiker gegenüber muss ich meinen Standpunkt nicht auf Biegen und Brechen verteidigen. Für mich gibt es in dieser Hinsicht kein Richtig oder Falsch. Jeder Mensch soll nach seiner Fasson selig werden. Allerdings räume ich ein, dass ich es häufig mit Leuten zu tun habe, die meine Ansichten und Interessen teilen. Das ist nicht überall so. Ich arbeite ja noch in einem Regionalspital als Unternehmensentwickler und Qualitätsmanager. Das ist eine ganz andere Welt. Von ihr grenze ich meine Praxis ab. Als Insider beurteile ich das Gesundheitswesen sehr kritisch. Es ist eine Industrie, in der die Menschen kaum noch zählen. Längerfristig möchte ich den Weg, den ich mit meiner Praxis eingeschlagen habe, weiter ausbauen, um nach Möglichkeit davon leben zu können.

 

Wer nimmt Ihre Hilfe in Anspruch? Und wofür?

 

Neben Geschichten, die mit Tod und Trauer zu tun haben, geht es auch um Beziehungsprobleme und Mutter-Kind-Situationen. Auch Menschen mit Schuldgefühlen oder problematischen Wiederholungsmustern suchen mich auf. Der häufigste Beweggrund ist das Bedürfnis nach Orientierung in festgefahrenen Situationen. Wir alle kennen solche Situationen, in denen wir uns wie in einem Hamsterrad fühlen. Manche Klienten haben auch Suchtprobleme, was mich mit schädlichen Verhaltensmustern und schwierigen Lebensgeschichten konfrontiert.

 

Müssten Sie Menschen mit Krankheiten - auch mit Suchtkrankheiten - nicht an eine Fachperson verweisen?

 

Ich sage bei der ersten Konsultation, dass ich keine Heilung verspreche. Überdies muss dem Klienten klar sein, dass ihn der Besuch bei mir nicht davon entbindet, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn dies nötig ist. Eine schon bestehende medizinische Behandlung ist selbstverständlich beizubehalten. Das sind Grundsätze, die ich mit dem Klienten bespreche, ein entsprechendes Abkommen lasse ich von ihm unterschreiben. Stelle ich während den Sitzungen fest, dass sich eine gefährliche Entwicklung anbahnt, etwa bei Suchtkrankheiten oder bei psychischen Problemen, die in eine suizidale Richtung gehen, schalte ich eine Fachstelle ein. Da ich an die Schweigepflicht gebunden bin, kann ich nicht mit Krankengeschichten hausieren gehen, aber in kritischen Situationen ist es mir durchaus möglich, Interventionen und Behandlungen zu vermitteln. Dafür habe ich ein gutes Netzwerk.

 

Inwiefern schöpfen Sie aus Ihren Erfahrungen als Psychiatrie-Krankenpfleger?

 

In der Psychiatrie habe ich Grundlagen kennengelernt, die mir im Umgang mit meinen Klienten von grossem Nutzen sind, etwa die psychotherapeutische Gesprächsführung oder systemische Ansätze, die das familiäre Umfeld miteinbeziehen. Zentral für mich ist jedoch die Einfühlung in das Gegenüber, die Sensitivität.

 

Nun arbeiten Sie ja nicht nur „sensitiv“, sondern auch „medial“. Sind Jenseitskontakte bei der Trauerbewältigung wirklich hilfreich?

 

Wenn jemand erst kürzlich einen Verlust erlitten hat, wäre ein Jenseitskontakt sicher verfrüht. Die Frage ist ja immer, wann die Zeit dazu reif ist. Ich darf dem Trauernden seine Trauerarbeit nicht nehmen. Ich darf sie im Trauerprozess unterstützen, aber diesen nicht abkürzen. Der Jenseitskontakt kann dann aber tatsächlich den Anstoss dazu geben, dass jemand aus der Trauer herausfindet und sich wieder dem Leben zuwendet.

 

Wie unterstützen Sie die Trauerarbeit? Und was ist überhaupt Trauerarbeit?

 

Zusammen mit dem Klienten sehe ich mir die Probleme an, die in der Trauer möglicherweise verborgen sind. Oft dreht sich die Trauer um etwas, das nur vordergründig mit Verlust zu tun hat. Schuldgefühle stehen im Raum, und es gibt so manchen "Knorz" aus der Vergangenheit, den man auflösen muss, um wirklich Abschied nehmen zu können. Darüber hinaus gibt es die normalen Phasen, die jeder Trauernde durchlebt. Ich beziehe mich da gerne auf Elisabeth Kübler-Ross und ihre fünf Trauerphasen. Diesen natürlichen Prozess versuche ich zu begleiten, indem ich den Klienten ermutige, seine Beziehung zur verstorbenen Person zu thematisieren und gewisse Dinge nochmals zu durchleben.

 

Und wie geht das vor sich, wenn Sie als Medium in Aktion treten?

 

Dies noch vorweg: den Kontakt stelle ich nur her, wenn der Klient dies ausdrücklich wünscht. Wenn nun jemand Kontakt aufnehmen will, mache ich bei der Kontaktaufnahme immer zuerst einen Faktencheck. Ich bin im englischen Spiritismus geschult, der das Medium dazu anhält, die Identität der kontaktierten Person mit stichhaltigen Fakten zu belegen. Deshalb stelle ich zuerst einmal fest, wer diese Person ist. Wo sie gewohnt hat. Was sie zu Lebzeiten gemacht hat. Und so weiter. Oft beziehen sich diese Informationen auch auf gemeinsame Erlebnisse des Verstorbenen und der Person, die den Kontakt wünscht. Oder auf Geschenke, die zwischen den beiden ausgetauscht worden sind. Durch solche Informationen erbringe ich den Nachweis, dass ich es tatsächlich mit der "angewählten" Person zu tun habe. Alles andere wäre fahrlässig.

 

Wie gelangen Sie zu diesen Informationen? Durch Sinneseindrücke?

 

Es ist eine Art Multitasking. Es gibt ein Hellschmecken, Hellsehen und so weiter. Das sind nicht-physische Sinneseindrücke, die für mich erfahrbar sind, als wären sie physisch. Als Medium habe ich zu jedem Sinn einen solchen Hellsinn, und beides ist eng miteinander verbunden. Beides ist aktiv. Und diese Wahrnehmungsfähigkeit kann sich sehr weit auffächern. Je nachdem empfange ich ein Bild, und dazu empfange ich auch ein Gefühl, und vielleicht gibt es auch ein noch eine Melodie dazu. Solche Puzzleteile vervollständigen sich zu einem Gesamtbild. Und oft sehe ich die verstorbene Person vor meinem geistigen Auge.

 

Während Sie die Augen geschlossen haben?

 

Nein, wenn ich die Augen schliessen würde, hätte ich einen Sinn weniger. Je nachdem werde ich auch geführt. Ich lasse den Blick schweifen im Raum und sehe dann plötzlich etwas, das mir auffällt, zum Beispiel eine rote Kerze. Ich bleibe daran hängen. Es kann sein, dass das im Zusammenhang mit der verstorbenen Person etwas zu bedeuten hat. Sie ist ja bei mir, und ich kann sie fragen, was sie mir damit zeigen will. Und dann kommt vielleicht die Antwort, dass die Kerze ein Geschenk gewesen sei. Und dass dieses Geschenk zu irgendeinem Zeitpunkt eine bestimmte Rolle gespielt habe. Und so erhalte ich eine relevante Information.

 

Dann läuft die Kommunikation also auch verbal ab?

 

Ja, das stimmt. Die verstorbene Person redet mit mir. Dadurch löst sie Empfindungen in mir aus. Das ist gar nicht so viel anders, als wenn jemand mit mir redet, den ich leibhaftig vor mir habe. Beim Sprechen läuft ja vieles nonverbal ab, auf der Gefühlsebene. Allerdings muss ich da differenzieren können: je nachdem handelt es sich um etwas, das von aussen kommt, also von der verstorbenen Person ausgeht und nicht von mir selber.

 

Und wie merken Sie, dass das von aussen kommt?

 

Ich lese oder interpretiere die Energie, die von der verstorbenen Person ausgeht. Es ist eine Energie, die von aussen auf mich zukommt. Ich spüre, wenn sie einsetzt, und ich spüre auch, wo sie sich im Raum manifestiert: links oder rechts, oben oder unten. Es ist möglich, mit der geistigen Welt eine Vereinbarung zu treffen, damit sich solche Erscheinungen in ein bestimmtes Schema fügen. Dass zum Beispiel Frauen links erscheinen und Männer rechts.

 

Haben Sie schon mal erlebt, dass niemand in der Leitung ist?

 

Das gibt es durchaus. Natürlich rede ich mit dem Klienten darüber. Meiner Erfahrung nach ist das Nichtzustandekommen eines Kontakts als Aufforderung zu verstehen, dass der Klient sich seine eigene Meinung bilden soll. Es kann aber auch sein, dass es an mir liegt: das Medium ist immer das schwächste Glied in der Kette. Wenn ich einen schlechten Tag habe, liegt es nicht an der geistigen Welt, dass es mit der Verbindung nicht klappt.

 

In welchem Zustand befinden Sie sich, wenn Sie Kontakt aufnehmen?

 

Also zunächst einmal muss ich „zwäg“ sein. Weil es Kraft braucht. Und ich muss mich öffnen können. Ich breite mein Energiefeld aus, meine Aura, damit die andere Energie daran andocken kann. Das ist ein Sich-Einstimmen in der Stille. Die Engländer nennen es "Sitting in the Power". In diesem Zustand stimme ich mich auf mich selber ein - und auf meine geistigen Helfer, mein Team.

 

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Frau Müller will ihren verstorbenen Ehegatten kontaktieren. Wie gehen Sie vor? 

 

Ich gehe davon aus, dass die geistige Welt sehr intelligent ist. Sie weiss, welchen Kontakt sie anbahnen wird. Grundsätzlich kommt ein Kontakt mit jener Person aus der geistigen Welt zustande, die im Moment bedeutungsvoll für den Klienten ist und die auch etwas zu sagen hat oder sagen will. Dabei ist es nicht unbedingt zwingend, dass sich die vom Klienten gewünschte Person auch tatsächlich meldet. Und vielfach ist es auch so, dass der Klient schon in Begleitung der verstorbenen Person bei mir zur Tür hereinkommt. Ich kann also diese Energie schon wahrnehmen, bevor die Sitzung überhaupt beginnt. Im wesentlichen verlasse ich mich dabei auf das geistige Energiefeld, das mich umgibt. Es ist die Instanz, die den Kontakt vermittelt.

 

Was sind das für Mitteilungen, die Sie empfangen?

 

Das hängt ganz von der kontaktierten Persönlichkeit ab. Hat sie einen schalkhaften Charakter, ist es gut möglich, dass sie einen Witz erzählt. Das ist mir tatsächlich einmal passiert. Wobei sich diese Person durch diesen spezifischen Witz zu erkennen geben konnte. Oft betreffen die Mitteilungen aber auch ganz alltägliche Situationen, in denen sich die kontaktsuchende Person wiedererkennt: „Du hast vor zwei Tagen meine Fotografie angeschaut. Das war dort und dort. Und ich habe dir dabei über die Schulter geschaut.“ Es kann aber auch vorkommen, dass der Verstorbene Ratschläge erteilt oder Warnungen anbringt. Dann muss ich sehr sorgfältig abwägen, was ich weitergeben soll. Die Verfassung des Klienten muss ich immer berücksichtigen.

 

Welche Vorstellungen haben Sie von der “geistigen Welt”?

 

Wie sie genau beschaffen ist, weiss ich natürlich nicht. Soweit ich das aus meinen Wahrnehmungen ableiten kann, ist die geistige Welt ständig um uns herum. Sie ist nicht Lichtjahre von uns entfernt. Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass dort eine kosmische Intelligenz wirksam ist. Und ich glaube an die Reinkarnation. Die damit zusammenhängende Vorstellung, dass unser irdisches wie auch nachtodliches Leben einem umfassenden Lernprozess entspricht, den wir zu durchlaufen haben, ist für meine Persönlichkeitsentwicklung und Lebenshaltung sehr grundlegend. Und natürlich auch für meine therapeutische Arbeit. Was die Verstorbenen betrifft, so bin ich überzeugt davon, dass sie ein Leben haben wie wir – einfach ohne Körper.

 

In England, dem Land der Geister, haben Sie die europaweit einzige Hochschule für Spiritismus, das Arthur Findlay Collage in London, besucht. Wie war das für Sie?

 

Als ich dort ankam, staunte ich nicht schlecht. In dem altviktorianischen Gebäude mit den vielen Treppen und verschachtelten Räumen fühlte ich mich wie in einem Harry Potter-Film. In einem kleinen Museum waren Wachsabdrücke von spiritistischen Materialisationen ausgestellt. Die physikalische Medialität, wie man dieses Feld nennt, kannte ich noch nicht, das hat mich sehr fasziniert. Medialität geniesst in England einen hohen Stellenwert. Medium ist dort ein anerkannter Beruf, und obwohl die Spiritisten einen wissenschaftlichen Anspruch haben, vertreten sie auch eine anerkannte Religion. Medien dürfen Trauungen vollziehen und Beerdigungen leiten. Dementsprechend fundiert ist die Ausbildung. Davon habe ich sehr profitiert, wie auch vom internationalen Umfeld. Ich traf dort Leute aus aller Welt. Ich werde bestimmt wieder hingehen.

 

Spannen wir am Schluss den Bogen in Ihre Kindheit zurück. Wie hat das mit der Medialität bei Ihnen angefangen?

 

Eines Abends sagte ich in der Küche zu meiner Grossmutter: “Morgen gibt es in Olten eine Gasexplosion.” Was dann tatsächlich geschehen ist. Manchmal habe ich Gestalten gesehen, Erscheinungen. Sie haben mich zwar nicht bedroht, aber sie waren mir unheimlich. Ich wollte lieber nichts mit ihnen zu tun haben. Als Kind bin ich oft bei meiner Grossmutter gewesen, die katholisch und sehr religiös war. Dort, wo heute in Gelterkinden die Migros-Filiale steht, befand sich früher ein Bauernhaus, in dem es angeblich spukte, mit Kettengerassel und allem. Meine Grossmutter, die den Besitzer des Bauernhauses kannte, liess einen Mönch kommen, der eine Geisteraustreibung vornahm. Solche Geschichten habe ich als Kind natürlich mitbekommen.